Andreas Böhm, Hüttenmeister, Münsterbauhütte

Es war für die Menschen von damals eine große Utopie, so ein Münster zu bauen.

In dieser Zeit hat man ja viel langsamer gebaut, und im Laufe einer Lebensspanne bekam man gerade mal fünf Stockwerke fertig. Ein Bild von gesamten, fertiggestellten Münster bekam man über lange Zeit nicht.

Die Utopie, und auch die Kraft dazu, musste also von Generation zu Generation lebendig erhalten und weiter gegeben werden.

Das fertig gebaute Münster war uns ist später für viele Menschen ein Zeichen der Orientierung, ein Wahrzeichen geworden, etwa für Kriegsheimkehrer oder Reisende, die in die Stadt zurück kamen.

 

Für uns, die wir heute am Münster arbeiten, ist es gar nicht so leicht, die Utopie aufrecht zu erhalten. Wir arbeiten ja immer ganz dicht an der Fassade und haben den Stein einen halben Meter vor uns. Mit der Gesamtsicht ist es da schwierig.

Und wenn wir an einer Stelle fertig sind und das Gerüst entfernt wird, sind wir meist schon mit der nächsten Stelle beschäftigt.

 

Gedanken dazu von UTOPIA TOOLBOX:

Was war das für eine Kraft, die die Menschen damals antrieb?

Wären wir heut noch fähig, zusammen eine solch gewaltige Kathedrale zu bauen, deren Endzustand wir nicht kennen?

Wenn man das Münster auf die Jetztzeit überträgt, wäre unser 'Münster' das Bild einer lebens- und liebenswerten Gesellschaft, die mit der Natur im Einklang lebt.

Einer Gesellschaft, die nicht nur reflexhaft von Tag zu Tag lebt, sondern große zeitliche Perspektiven in ihr Handeln mit einbezieht.

Die Utopie solch einer Gesellschaft ist auch für uns heute so groß, dass wir kein Gesamtbild davon haben. Trotzdem tragen wir die Verantwortung dafür.

Martina Vodermayer