Deborah Ruch, Pflegehilfskraft, 32 Jahre, Geburtstag am Tag des Interviews

Was ich zunächst wirklich will, ist, dass in Pflegeberufen nicht nur auf äußere Qualifikation geachtet wird, sondern auch darauf, was der- oder diejenige an Persönlichkeit und an Erfahrung mitbringt und auch in dieser Hinsicht qualifizierte Menschen eine Chance bekommen. Dass also die Ressource in den Menschen erkannt und geachtet wird.

Aktuell wünsche ich mir, dass wir die Krise als Chance erfassen und uns nicht von der Angst beherrschen lassen. Es ist wie bei einem Mosaik, wo man ja auch aus den ganzen Scherben, dem Zerschlagenen, Zerbrochenen etwas Neues macht. Vielleicht wird es am Ende nicht so sein wie vorher, aber vielleicht entsteht ja etwas viel Schöneres daraus.

Was mir noch wirklich wichtig ist: Wir sollten gerade jetzt mehr Toleranz in der Gesellschaft entwickeln, gegenüber verschiedenen Ethnien, gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe, gegenüber Kranken, psychischen Störungen, Behinderungen, gegenüber Menschen, die anders sind. Ich habe eine Freundin, die Albinismus hat, also extrem weiße Haut, und damit immer wieder in der Gesellschaft große Probleme hat. SIe ist zwar weiß, aber dann schon wieder  z u   weiß. Es st oft nicht weit ehr mit der Toleranz der Menschen. Letzte Woche war ich bei einer 'Black-Life-Matters' Demo, bei der auch ein Obdachloser mittanzte, der psychisch etwas angeschlagen war. Eine der Demonstrantinnen sagte, der Mann müsse wegm er hätte nichts bei dieser Demo verloren. Toleranz muss aber für   a l  l e   gelten.

Global gesehen will ich, dass in allen Ländern die Todesstrafe abgeschafft wird.

Das ganze Parteiensystem muss sich öndern, obwohl ich noch gar nicht weiß, wie. Auf jeden

Fall brauche wir überall viel grundlegendere Demokratien.

Ich träume davon, die Welt zu verändern, es gibt noch so viel übersehenes Leid. ich will die Welt zu einem besseren Ort machen und gleichzeitig besser auf mich selbst hören lernen. Denn wenn ich andere verändern will, muss ich bei mir selbst anfangen.

Für mich selbst träume ich davon, eine Ausbildung zur Snocelen-Therapeutin machen zu können. Das ist eine besondereTherapieform, die mit  dem dunklen Raum, mit Lichtquellen, Musik usw. arbeitet, die Auge und Ohr anspricht. Eine besondere Entspannungsform.

Und einen persönlichen Traum habe ich noch: Ich hätte gerne eine Schildkröte!

Im Moment habe ich aber nur ein 1-Zimmer-Apartment, da ost es zu eng für so ein tier, und ein Terrarium kommt nicht in Frage.

Ich bräuchte also auch einen kleinen Hintergarten, in dem die Schildkröte herumlaufen könnte. Schildkröten sind Überlebenstiere, sie werden sehr alt, es sind langsame Tiere, trotzdem kommen sie vorwärts, und sie haben einen Panzer, der sie schützt.

Alles Eigenschaften, die ich selber gerne hätte!

Was ich am heutigen Tag noch tun kann, um meiner Idee den ersten Schritt näher zu kommen?

Ich bin ohnehin gerade auf dem Weg in die Bücherei, da hole ich mir gleich einmal ein Fachbuch über Schildkröten und lese mich ein. Auf diese Weise kann ich meinen Traum wenigstens theoretisch aufrechterhalten.

Martina Vodermayer