Lehrerin und Lerntherapeutin, 53 Jahre, mit Mann und Söhnen Emil und Anton (Touristen) aus Aachen
Ich träume von mehr Selbstversorgung. Ich würde die Gartenzäune zwischen den Grundstücken entfernen und viel mehr gemeinschaftliche Nutzung betreiben. Wir sollten noch viel mehr gemeinschaftlich nutzen, teilen statt zu besitzen. Wir bräuchten viel weniger selber zu haben, an Gerätschaften, Autos.
Beim wohnen bräuchte ich allerdings schon einen Bereich für mich, aber der müsste nicht groß sein und möglichst regenerativ betrieben.
Mann: Ich bin ja nicht mehr so weit von der Pensionierung entfernt und möchte danach sehr gerne Projekte mit anderen Leuten zusammen machen. Auch ehrenamtlich. Am liebsten etwas in der Natur draußen.
Wir sehen uns fremde Städte immer mit Argusaugen an: Wie lebendig ist eine Stadt, wieviel soziales Leben gibt es auf den Straßen, an das man sich anschließen kann, etwa gemeinsames Gärtnern oder gemeinsame Gymnastik, möchte man sich in der Fußgängergzone aufhalten oder geht man einfach nur durch, was macht eine Stadt lebenswert.
Frau: Ich würde den Wochen-Markt mehr vom Münsterplatz in die Gassen hineinziehen und dafür auf dem Platz ein Zentrum schaffen, ein Wasserspiel zum Beispiel, an dem sich die Leute gerne aufhalten und sich treffen.
Ich würde das Bildungssystem ändern. Die Selektion der Kinder nach der 4. Klasse ist grundfalsch. Auch Kinder aus sog. bildungsfernen Elternhäusern können. Es sollten nicht Brennpunkt-Schulen versus gut bürgerliche Schulen stehen.
Das hat natürlich auch städtebauliche Gründe. Soziale Brennpunkte oder Ghettoisierungen dürfen erst gar nicht entstehen können und sollten bereits durch kluge Planung vermieden werden.
Mann: Ich möchte das gewaltige demokratische Defizit lösen, zugunsten von Abstimmungsmöglichkeiten der Bürger, so wie in der Schweiz verfahren wird. Bei uns in Aachen gibt es wenigstens regional Abstimmungsmöglichkeiten, etwa für oder gegen eine Stadtbahn.
Ich plädiere auch für mehr Eigenverantwortung in der Gesellschaft, besonders auch in der Art, wie Gelder verteilt werden. Als Beispiel die Schulen: Da werden Gelder 'von oben' mit genauen Maßregeln verteilt. Die Schulen vor Ort können selbst am besten entscheiden, mit welchem Ziel sie Gelder einsetzen.
Man sieht es auch bei der Digitalisierung: Erst wird digital aufgerüstet, was sicher auch ein Resultat von intensiver Lobbyarbeit ist, und erst danach wird überlegt, was man eigentlich damit macht.
Auf dem Münsterplatz würde ich jede zweite Platte herausnehmen und eine Tomatenpflanze einsetzen.
Kinder Emil und Anton, beide 14 Jahre
Zeichnung vom Wohnen ihrer Träume