Petra Teske, Gebäudereinigerin auf dem Berliner Flughafen, 63 Jahre (Vor zwei Wochen nach Ulm gezogen)
Ich stelle mir eine andere Art von Demokratie vor:
Wir sollten aus dem Telefonbuch von jedem Buchstaben die ersten fünf oder zehn Leute heraussuchen, sie wählen und so das Parlament zusammensetzen. Ich bin überzeugt, das würde mindestens genauso gut funktionieren, wie das jetzige Parlament. Diese Leute müsste man gar nicht schulen, dass sie reden können, sie haben alle einen eigenen Kopf und etwas zu sagen. Da sie ja dann durch das Zufallsprinzip aus allen möglichen Bevölkerungsgruppen kommen, werden so auch alle möglichen Belange vertreten sein. Anders jedenfalls, als das bei den verbandelten politischen Klüngeln der Fall ist.
Dann würde es in Deutschland auch etwas lustiger, und einige Zwänge würden wohl verschwinden. Das wäre schön!
Wenn wir das erreicht hätten, würde ich mir für mich selber eine Holzhütte am
Stadtrand bauen, um alleine dort zu wohnen, mit allem was ich brauche:
1 Bett
1 Schrank
1 Tisch
1 Stuhl
1 Küche
1 Bad
Das würde mir vollkommen reichen, und dann wollte ich jeden Tag die Vögel singen hören.
Ich mag keine Menschenansammlungen mehr.
Es könnte auch Hochhäuser ein gutes Wohnen bereiten, aber sie müssten viel lebendiger werden. Man müsste zum Beispiel seine Wände selbst gestalten und verschieben können, wie man den Raum gerade braucht. Weil ich die Freiheit so sehr liebe.
Ich könnte auch gut in so einem Container wohnen, so wie die UTOPIA TOOLBOX hier.
UTOPIA TOOLBOX fragt: Gibt es in Ulm eine|n Besitzer|in eines Privatgartens, der|die einen schön gestalteten Bau-Container beherbergen würde, in dem Petra wohnen könnte?
Bitte ggf. unter office@utopiatoolbox melden.
Global gesehen würde ich das Reisen limitieren. Die meisten Leute reisen ja gar nicht für sich, sondern weil sie danach Anderen etwas erzählen wollen, und sie konkurrieren gegenseitig, wer am weitesten weg war, oder wo der Himmel am blausten war.
Wir sollten stattdesen im Land bleiben und mit ein paar anderen Leuten zusammen etwas verschönern.
Irgendwann habe ich angefangen, Thomas Berhard zu lesen. Das hat mich so beeindruckt!
Ich habe nach und nach a l l e s von ihm gelesen. Das war eine große Befreiung!
Es hat mich auch ermutigt, zuhause ganz freie Bilder zu malen.
Bei meiner Arbeit auf dem Berliner Flughafen gefielen mir immer die Flugzeuge so ausnehmend gut, sie sind so ästhetisch. Ich musste immer wieder die Flügel ansehen, die Tragflächen, die sich am Ende so wunderbar nach oben biegen. Zuhause habe ich mir das aus gesammelten Pappen und Papieren, die ich übereinander verleimte, einen Tisch gebaut, genau von der Form dieser Tragflächen, nur um 180° gedreht.
Später habe ich den ganzen Michel de Montaigne gelesen. Drei Bücher mit ganz dünnem Papier. Dafür habe ich ein halbes Jahr gebraucht. Am Schluss dachte ich: Gut, das Leben ist so wie es ist. Darüber bin ich an die Philosophie gekommen.
Ich finde, die Schulen sollten viel mehr das wirkliche Andersdenken fördern, lehren und ermutigen, nicht bestrafen. In den jetzigen Schulen wird das ja gar nicht vermittelt, sie erfüllen ja hauptsächlich feste Lehrpläne. Die Philosophie sollte eine viel größere Rolle spielen, auch Aktuelles sollte viel mehr aufgegriffen und diskutiert werden.
Mir selbst fehlte während der ganzen Schulzeit der Bezug zur Umwelt, zur Realität. Das würde ich mir für heutige Schulen wünschen.
Ich komme nochmal wieder.