Anonym
Interviewpartner: will seinen Namen nicht sagen, ist aber sehr interessiert an dem, was wir treiben.
Nach der Erklärung, was wir im Container betreiben, kommt von ihm die Frage, was denn der Unterschied zwischen Vision und Utopie sei. Wir einigen uns darauf, dass die Grenze fließend und außerdem nicht so wichtig sei, weil es jedenfalls – was willst du wirklich? – darum geht, sich der eigenen „Idee“ wirklich hinzugeben, anstatt über mögliche Vorbehalte zu theoretisieren. Die spiegeln ja ohnehin nur die eigenen Ängste und Zweifel.
Unser Gespräch wendet sich dann dem Auftauchen der „Idee“ zu. Mein Gesprächspartner schildert seine häufige Erfahrung, dass er nach Lösungen für bestimmte Aufgabenstellungen sucht und darauf hinarbeitet, aber nicht weiterkommt. Erst eine gewisse Zeit später und in einer völlig anderen Situation taucht dann ganz unvermutet die Antwort auf, ohne dass er darüber nachgedacht hätte.
Wir sind uns darüber einig, dass in kreativen Prozessen aller Art zur wirklichen Weiterentwicklung diese zwei Elemente, die eigentlich widersprüchlich scheinen, unbedingt notwendig sind:
Die Absicht, für ein Thema eine Lösung zu finden und mit Mut und Energie daran zu arbeiten. Ohne dieses ernsthafte eigene Engagement vorher bis hin zum Leiden passiert gar nichts.
Und die Bereitschaft, die Suche nach der Lösung wirklich vorübergehend zu beenden, das Thema wirklich loszulassen, ohne weiter daran herumzukauen und auf eine Lösung, woher auch immer, zu „warten“. Das ist etwas ganz Anderes als nur eine Pause zu machen. Vielleicht ist es hilfreich, für sich selbst eine Art Ritual einzuführen: Jetzt verabschiede ich mich total von dieser Aufgabe. Wir sind uns auch darüber einig, dass heimliche Vorbehalte – ich denke heute Abend nochmal darüber nach – tödlich sind. Dann funktioniert das nicht. Das Loslassen ist richtig schwierig, wenn man sich in das Thema verbissen hat, wenn es Angst oder Stress produziert, ich in der Klemme stecke. Aber es geht kein Weg daran vorbei.
Es ist eine Frage der eigenen Offenheit und des Vertrauens, und wenn die Idee dann wie von selbst auftaucht, fühlt es sich wie ein Geschenk an. Und das Besondere an diesem Geschenk ist auch, dass man immer mehr bekommt als das, wonach man gesucht hatte, oder die Antwort einem zeigt, dass man in die ganz falsche Richtung gesucht hatte, und die richtige Richtung gleich mitgeliefert wird.