Thomas Jourdan, 62 Jahre

Ich interessiere mich für animierte Grafik, dafür nehme ich mir viel Zeit. Damit muss ich noch viel mehr an die Öffentlichkeit gehen, Ausstellungen machen, damit es die Leute sehen können. Ich möchte  das gerne im kleinen Rahmen machen, wo auch Fehler toleriert werden. In einer Welt, die auf Perfektionismus ausgerichtet ist, ist das Experiment auf Sand gebaut.

Ich habe vor 4 Jahren zu arbeiten aufgehört, das war ein großer Traum von mir, den ich mir erfüllt habe. Ich lebe seitdem von meinen Rücklagen.

Mein anderer Traum sind die Bienen, ich bin Imker geworden. Sie stehen auf der Schwäbischen Alp im Haus meines Vaters. Ich gebe auch Schwärme an andere Leute ab.

Ich wünsche mir eine besseren Austausch mit Imkern, die nicht so sehr auf Effizienz hin arbeiten, aber auch nicht in die esoterische Ecke abdriften.

Die Leute sollen sich mehr darauf konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Dass man sich Leerstellen, die man hat, nicht von außen füllen lässt, durch Werbung, äußerliche Pflichten.

Mein langfristiger Traum wäre, mich zu engagieren, mit anderen Imkern zusammen eine Bienenart zu züchten, die resistent gegen die Voroa-Milbe ist.

In der Arbeitswelt hab ich lange in verschiedenen Start-ups gearbeitet, die aber alle insolvent gingen. Das hat mir, was Träume angeht, ziemlich den Zahn gezogen. Andererseits habe ich im Leben soviel gelernt, wie in diesen kleinen Firmen.

Die Leute sollten sich viel mehr trauen, unterschiedliche  Sachen anzugehen.

Gesellschaftlich gesehen habe ich mehr Ängste als positive Perspektiven, Angst vor Populismus zum Beispiel. Aber das sind ja eher Alpträume als Träume...

Wir können wohl Trump oder Orban ablehnen, aber eigentlich müssen wir bei uns selbst anfangen, um nicht auf populistische Versprechungen hereinzufallen. Wir müssen soviel Angst aushalten, in Beziehung auf Flüchtlinge oder ökonomische Ängste, dass wir nicht anfällig für solche Leute sind.

Ich nutze bewusst kein Smartphone, merke aber, dass ich allmählich von bestimmte Dingen abgehängt bin. Im Endeffekt bewirkt das Smartphone, dass Menschen sich immer mehr voneinander entfernen. Es findet eine Machtverschiebung statt.  Positiv formuliert würde ich sagen, es sollte viel mehr Treffpunkte geben, wo man sich physisch treffen kann und zugleich IT nutzen. So würde der Mensch aus seiner Vereinzelung herausgeholt.

Martina Vodermayer