Ercan

Ich heiße Ercan (Männername) und lebe vom Jobcenter. Ich betreue selbst Obdachlose.

Ich arbeite nebenbei in einer Suppenküche, und ich habe auch schon selbst eine Suppenküche betrieben.

Seit einiger Zeit studiere ich auch Theologie. Das ist aber kein richtiges Studium an einer Universität, sondern Angebote aus dem Christentum heraus, von Adventisten und ähnlichen Gruppen. Ich mache es jeden Tag.

Aber wenn ich untertags unterwegs bin, vergesse ich immer, was ich dabei gelernt habe. Wenn ich dann nach Hause komme, merke ich das, und alles kommt wieder und ich fühle mich dann ganz geborgen. Das ist mir sehr wichtig.

Ich lese auch sehr viel, hauptsächlich Literatur und medizinische Werke.

Seit 20 Jahren bin ich deutscher Staatsbürger. Mit der Türkei habe ich fast keine Verbindungen mehr.

Manche sagen, ich sei die Mutter der Obdachlosen. Wir sprechen über unser Projekt „Obdach“ und die Sichtbarkeit der Obdachlosen in der Stadtgesellschaft. Ercan sagt: Es wäre aber auch gut, wenn die Obdachlosen immer wieder einmal aus der Stadt heraus kämen und ins Grüne.

Auf die wiederholte Frage, was denn sein Traum oder sein größter Wunsch sei, kommt von ihm keine direkte Antwort. Er kann es vielleicht wirklich nicht sagen. Er scheint in seiner Welt zu leben und damit ganz zufrieden zu sein. Es entwickelt sich etwas, das er noch nicht fassen und beschreiben kann.

Ganz am Ende des Interviews fragt er, ob er sich den Container von innen ansehen kann, und geht hinein. Nachdem er sich vieles angesehen hat, fragt er ganz spontan, ob er eine Toolbox haben könne; er könne aber nur 5 € geben. Das machen wir.

Martina Vodermayer