Monja Galvan, Krankenschwester, 52 Jahre

Ich wünsche mir endlich Ruhe, sobald meine Kinder aus dem Haus sind. Und ein schönes, großes Haus auf verschiedenen Ebenen. Hell soll es sein, mit einem großen Garten, Teich und Springbrunnen, wo man zur Ruhe finden kann.

Denn ich brauche Ruhe, um Entscheidungen in meinem Leben zu überdenken, und gewisse Glaubenssätze, die mir oft geschadet haben. Da ging es um Dankbarkeit und Sich-Aufopfern für Andere, allein schon um niemandem wehzutun. In Wirklichkeit wünsche ich mir mehr Emotion in meinem Umfeld, mehr bedingungsloses Geliebt werden, ohne Forderungen. 

In der ganzen Gesellschaft müssten wir weg vom materiellen Reichtum, lieber zurück zum Tauschhandel, Naturalien gegen Dienstleistung oder umgekehrt, wieder hin zum direkten Austausch. Weg mit dem Machtgehabe, das in der Gesellschaft viel zu sehr verbreitet ist, auch in der Kirche. Den Generationen über 70 merkt man ihre gewaltsame Erziehung deutlich an, sie haben übertriebenen Respekt vor Autoritäten. Ich selber habe mit 12 Jahren während eines Gottesdienstes mal in die Hose gemacht, weil ich mich nicht traute, rauszugehen. Die Kirche macht krank. Im Ulmer Münster ist ein helleres Seitenschiff, wo ich mich gerne aufhalte, um Zwiesprache zu halten mit meinem verstorbenen Vater. Ich habe oft Eingebungen und Träume, teilweise weiß ich im Voraus, dass Menschen sterben. 

Diese Eingebungen hatte ich schon als Kind, damals hat mich meine Mutter als Hexe beschimpft. Aber die Fähigkeit ist da, eine Weile habe ich sie unterdrückt, später wieder zugelassen. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch diese Fähigkeiten hat, aber sie gehen unter anderem durch ständige Medienberieselung und gesellschaftlichen Druck verloren. Die Menschen kommen nicht mehr zur Besinnung. 

Allgemein mehr Ruhe war ein positiver Nebeneffekt von Corona. Leider waren auch oft Depressionen die Folge, gerade bei jüngeren Leuten. In dieser Gesellschaft stimmt was nicht, sogar 10-Jährige ritzen sich. Schuld an unseren Problemen ist sicher der übermächtige Konsumzwang und die Unsicherheit, wem man noch vertrauen kann. Der Mensch wird ständig manipuliert, ich selber höre keine Nachrichten mehr. 

Daher würde ich sagen, back to the roots – Menschen sind und bleiben verschieden, müssen aber wieder lernen, sich zu verständigen. Arbeit müsste wieder einen anderen Stellenwert bekommen, unsinnige EU-Normen gehören abgeschafft. Denkbar wäre ein stiller Aufstand, etwa dass alle sich weigern, die Mehrwertsteuer zu bezahlen. Es müssten sich aber möglichst alle beteiligen, um Demokratie wieder menschlicher und transparenter zu gestalten. 

Heute noch könnte ich bei meiner nächsten Zahlung die Mehrwertsteuer einbehalten und generell mehr über die notwendigen Veränderungen reden.

Martina Vodermayer